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Persönlich

Was mir geholfen hat

Ich bin selbst betroffen. Deshalb möchte ich hier Dinge teilen, die mir in meinem Alltag geholfen haben.

Keine Patentrezepte und keine medizinischen Empfehlungen – sondern persönliche Erfahrungen und kleine Ideen, die vielleicht auch für dich hilfreich sein können.

Das funktioniert für mich

  • Mein Zettel an der Wohnungstür rettet mir regelmäßig den Kopf. Steht nicht explizit drauf, dass der Schlüssel mitmuss, suche ich ihn eben wieder zehn Minuten im Kühlschrank.

  • Reizüberflutung stoppe ich nicht mit Achtsamkeitsübungen, sondern ganz profan: Radio aus. Es ist faszinierend, wie viel Denkleistung plötzlich zurückkommt, sobald das Gedudel aufhört.

  • Bei meiner Migräne hat mir ein Aufenthalt in einer Schmerzklinik mehr gebracht als alle Jahre davor. Dort wird man nicht nur als Kopfschmerz behandelt, sondern als ganzer Mensch. Das kann ich aus eigener Erfahrung wirklich empfehlen.

  • Mittlerweile werde ich mit Botox gegen die Migräne behandelt. Klingt erst mal nach Schönheitskram, war für mich aber ein Wendepunkt. Die Anfälle kommen seltener, und ich traue mich wieder, Pläne zu machen.

Das habe ich erst spät verstanden

  • Ich dachte jahrzehntelang, mir fehlt einfach Disziplin. Heute weiß ich: Wenn das Gehirn kein Dopamin hat, hilft auch kein „Reiß dich doch mal zusammen“.

  • Andere putzen die Wohnung und gehen noch joggen, während ich nach dem Ausräumen der Spülmaschine schon reif fürs Bett war.

  • Dass ich früher funktioniert habe, hieß nie, dass es leicht war. Ich habe nur sehr lange nicht gemerkt, wie viel Kraft mich das bloße Verstecken gekostet hat.

  • Dass ich meinen Frieden mit meiner Familiengeschichte machen kann, ohne dass es dafür ein Gespräch gibt. Zu meiner Mutter und meiner Schwester habe ich seit zwanzig Jahren keinen Kontakt, und heute verstehe ich zumindest, warum es damals zwischen uns nicht funktionieren konnte. Wir wussten es alle drei nicht besser.

Das mache ich heute anders

  • Pausen stehen bei mir als unverhandelbarer Termin im Kalender. Wenn ich warte, bis ich „fertig“ bin, mache ich nie Pause. Fertig bin ich im Kopf sowieso nie.

  • Ich frage ohne Scham nach: „Ich war kurz weg, sag das bitte noch mal.“ Das spart mir das anstrengende So-tun-als-ob und drei Tage Rätselraten.

Das hätte ich früher gerne gewusst

  • Dass es nicht an mangelnder Willenskraft lag. Ich habe mich jahrzehntelang für Dinge geschämt, die für mein Gehirn einfach echte Schwerstarbeit waren.

  • Dass mein Gehirn nachts plötzlich Probleme lösen will, die tagsüber keine Rolle spielten. Aufschreiben hilft mehr als der Versuch, krampfhaft einzuschlafen.

Meine Alltagshelfer

  • Noise Cancelling Kopfhörer

    Mein wichtigstes Werkzeug für den Supermarkt oder die Bahn. Sie schirmen nicht alles ab, nehmen der Welt da draußen aber die scharfen Kanten. Ohne sie bin ich nach zwanzig Minuten Einkaufen innerlich erledigt.

  • Visueller Timer

    Zeit ist für mein Gehirn ein abstraktes Gefühl. Wenn ich sehe, wie die farbige Scheibe kleiner wird, begreife ich endlich, dass zehn Minuten wirklich vergehen. Das rettet mich vor endlosen Schleifen.

  • Buchkalender aus Papier

    Apps vergesse ich in der Sekunde, in der das Display ausgeht. Mein aufgeschlagener Buchkalender liegt greifbar auf dem Schreibtisch, erinnert mich stumm an den Tag und lässt sich nicht einfach wegwischen.

  • Tageslichtlampe

    Gerade an trüben Tagen das Einzige, was meinem Kopf verlässlich signalisiert, dass der Tag wirklich begonnen hat und wir wach sein dürfen.

  • Kühlwasser und Kühlpads

    Kaltes Wasser im Nacken oder ein Kühlpad auf der Stirn ist bei mir der erste Griff, wenn die Migräne anklopft. Nicht spektakulär, aber es nimmt dem Kopf die Hitze und mir die Panik.

  • Schlafbrille

    Wenn sich Licht wie Nadeln anfühlt, hilft mir meine Schlafbrille mehr als jede Gardine. Draußen bleibt die Welt, drinnen darf es dunkel und still sein.

  • Pfefferminzöl

    Ein wenig Pfefferminzöl auf den Schläfen riecht nicht nur gut, sondern kühlt angenehm. Es zaubert die Migräne nicht weg, macht die ersten Minuten aber erträglicher.

  • Sonnenbrille

    Meine Sonnenbrille trage ich nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch im Supermarkt, im Büro und manchmal im Winter. Wenn die Lichtempfindlichkeit zuschlägt, nimmt sie dem Licht die Härte und mir ein gutes Stück Angst.

Die Dinge aus „Meine Alltagshelfer“ gibt es auch mit Fotos und ruhigen Hinweisen an einem eigenen Ort.